Dr. Pram Mistry ist Berater und Leberspezialist am Mount Sinai
Medical Centre in New York . Er ist bestens bekannt bei der Gauchers
Association und hat an jeder Patientenkonferenz teilgenommen. Jeder der ihn
kennengelernt hat ist begeistert von seiner Fürsorge, seinem
Mitgefühl und seiner Hingabe. Seine Forschungen wie das Enzym bei der
Enzym-Ersatz-Therapy durch den Körper wandert und die bedürftigen
Stellen im Körper erreicht finden weltweit Beachtung. Während des
dritten Treffens der Gauchers Assocition im February 1997 erklärte
Dr.Mistry, daß es viele Genmutationen gibt die zu einer verminderten
Aktivität des Enzyms Glucocerebrosidase und damit zu Morbus Gaucher
führen können.
'Das defekte Enzym kann eine
Fettsubstanz, das Gulcocerebrosid oder Glycosylceramid nur unzureichend
spalten. Glukosylceramid ist ein wichtiger Bestandteil der Zellmembran', sagte
Dr. Mistry. 'Das Enzym befindet sich in allen Arten von Zellen wie zum Beispiel
in Muskel- und Hautzellen, aber die Speicherung erfolgt nur in ganz bestimmten
Zellen den Makrophagen', erklärte er. Diese fettbeladenen (haben
Glykosylceramid gespeichert) Makrophagen sind die sog. Gaucherzellen. Diese
lassen sich typischerweise in der Milz, in der Leber, dem Knochenmark und der
Lunge finden. Diese Fettsubstanzen werden kontinuierlich jeden Tag umgesetzt
jedoch sammelt sich nur ein Teil bei einem typischen Morbus Gaucher Patient
an.
'In den frühen Tagen der Enzymherstellung, aufbereitet aus
menschlicher Placenta, waren Behandlungsversuche damit nur wenig erfolgreich
weil das Enzym nicht die Gaucherzellen erreichte. Dr. Roscoe Brady, ein Pionier
in dieser Forschung und seine Kollegen, Dr. John Barranger und Dr. Scott
Furbish am National Institutes of Health in den Vereinigten Staten,
mußten viele Hürden überwinden um eine effektive
Enzymbehandlung zu entwickeln. Sie entdeckten, daß eine Veränderung
an einer Zuckerkomponente am Enzym dazu führt das Enzym an die richtige
Stelle, das heißt in die Gaucherzellen zu geleiten. Ceredase ist der
Medikamentenname des veränderten placentaren Enzyms und die gentechnisch
produzierte Variante heißt Cerezyme. Die Ergebnisse mit dem modifizierten
Enzym waren überwaltigend'.
Unterschiedliche Enzymdosis
Dr. Mistry berichtete daß die Enzym Behandlung in den meisten
Behandlungszentren variiert. Die meisten Erfahrungen bestehen bisher mit einer
Dosis von 30-60 Einheiten pro Kilogramm Körpergewicht, verabreicht alle
zwei Wochen. Dr. Ernest Beutler in den USA und Dr. Ari Zimran in Israel
berichten von guten Resultaten mit Einzeldosen von 2,3
Einheiten/kg/Körpergewicht die drei Mal pro Woche verabreicht werden. Es
ist Tatsache daß Dr. Carla Hollak und ihre Kollegen noch niedrigere
Einzeldosen dreimal in der Woche verabreicht haben.
'Die Behandlung eines
mittelschweren erwachsenen Patienten mit einer Dosis von 60
Einheiten/Kg/Körpergewicht alle zwei Wochen erfordert 50,000 Placenten,
das sind 10-12 Tonnen, woher die hohen Behandlungskosten stammen, die es
nötig machen die Behandlung so effizient wie möglich zu
gestalten.
Weg des Enzyms im Körper
Unsere
Anfangsstudien konzentrierten sich darauf herauszufinden wie das Enzym auf
isolierte im Labor gezogene Gaucherzellen wirkt. Die wichtigsten Erkenntnisse
waren:
Dr. Mistry sagte: 'Dr. Brady's Forschungsgruppe machte vor vielen
Jahren eindrucksvolle Entdeckungen die zeigten, daß die höchsten
Fettspeicherungen (bei splenektomierten Patienten) in der Leber zu finden sind.
Eine geringere Speicherungen ist in den Knochen zu finden. Bei den meisten
Patienten ist die Speicherung in den Knochen jedoch ein wesentlich schwereres
Krankheitssymptom.
Dr. Mistry beschrieb dann wie Ceredase und Cerezyme aus
der natürlichen Glucocerebrosidase modifiziert (verändert) wurden. Er
beschrieb die Route des Enzyms durch den Körper die sich nach einer
Infusion verfolgen läßt. Die Patienten wurden dazu ununterbrochen
beobachtet (gescanned mit Röntgenaufnahmen in kleinen Abständen) um
den Weg zu verfolgen den das Enzym zurücklegt und um sichtbar zu machen
wie es die von Morbus Gaucher betroffenen Stellen im Körper erreicht. Dr.
Mistry fand heraus:
Die Reaktion auf die Behandlung ist unterschiedlich
Die
meisten Patienten sprechen gut und schnell auf eine Enzymbehandlung an. Manche
Patienten zeigen eine außergewöhnlich gute Reaktion während ein
kleiner Teil der Patienten eher schlecht und langsam anspricht.
Unterschiedliche Faktoren können die Reaktion auf die Behandlung
vermindern:
Lebertransplantation
Dr. Mistry beschrieb dann den Fall
eines 33 jährigen Morbus Gaucher Patienten, der vor einem Jahr als Notfall
um 5 Uhr morgens in das Royal Free Hospital eingeliefert wurde. Dr. Mistry
betonte, daß es sich bei diesem Fall um eine sehr seltene Komplikation
des Morbus Gaucher handelte.
'Der junge Mann kam mit massiven
lebensgefährlichen inneren Blutungen als Folge einer forgeschrittenen
Leberzirrhose. Er war in seiner Kindheit mit Morbus Gaucher diagnostiziert
worden und im Alter von 20 Jahren wurde bei ihm die Milz entfernt. Im Jahre
1995 war er bereits verkrüppelt wegen seiner Knochenkomplikationen. Er
hatte aufgrund einer starken Leberzirrhose einen hohen Druck in der Vene die
von den Eingeweiden zur Leber führt . Obwohl er mit hohen Dosen Ceredase
behandelt wurde hatte er wiederholte Episoden von Leberversagen und wurde aus
diesem Grunde für eine Lebertransplantation vorgesehen. Doch zuvor
mußte sein Zustand verbessert werden damit er diese große Operation
überhaupt überstehen konnte. Diese wurde durch intensive Ceredase
Behandlung, Verbesserung der Nahrung (besonders nährstoffreiche
Diät), sowie der Behandlung seiner Knochen erreicht.
Nach der
Lebertransplantation wurden ihm neuartige Medikamente verabreicht, die eine
Abstoßung des fremden Organs verhindern sollten aber gleichzeitig seinen
Knochen nicht schaden durften. Er zeigte eine beachtliche Genesung; sein Morbus
Gaucher ist mit Ceredase Infusionen zweimal in der Woche unter Kontrolle. Er
braucht kein Morphium mehr gegen seine Knochenschmerzen und er gibt sich
alleine Zuhause seine Infusionen.
Ceredase Behandlung bevor sich
Symptome entwickeln
Dr. Mistry sagte, daß diese Geschichte
dafür spricht, daß die Enzymbehandlung angefangen werden sollte,
bevor sich nicht rückgängig zu machende Schäden einstellen. Er
verdeutlichte dieses mit der Beschreibung einer Frau mit Morbus Gaucher, die zu
ihm in die Klinik kam ohne offensichtliche Symptome aber mit einer
vergrößerten Milz und Leber. Wie auch immer ihr Genotyp (Gen
Mutation) war N370S/84GG, welcher oft einen schweren Krankheitsverlauf erwarten
läßt. Ihre Blutwerte waren hoch signifikant für Morbus Gaucher.
Aus diesem Grunde wurde eine Ceredase Behandlung mit 2u/kg/zweimal in der Woche
(16 Einheiten pro Monat) begonnen. Einer der Blutwerte, die als sogenannte
Marker bezeichnet werden, das Enzym Chitotrichosidase, zeigte eine dramatische
Verringerung innerhalb eines Jahres der Behandlung.
Morbus Gaucher
Klinik am Royal Free Hospital
'In meiner Klinik am Royal Free Hospital
starten wir die Ceredase Therapie mit 1-5 Einheiten/kg/Körpergewicht
zweimal in der Woche. Auf diese Weise ist die Enzymaktivität in den
Gaucherzellen im Körper konstant auf einem normalen Wert' (das heißt
für den Patienten, daß sich die Krankheit nicht verschlimmern
sollte) sagte Dr. Mistry. ' Es besteht einige Sorge über die
Unbequemlichkeit und die möglichen Komplikationen, wie beispielsweise
Infektionen, die mit den häufigen Infusionen verbunden sind. Jedoch traten
fast keine dieser Probleme bei uns am Royal Free Hospital auf'.
'Mein
erster Patient in Großbritannien im Jahre 1991 erhielt Ceredase nach
demselben Schema und hatte eine Steigerung in den Hämoglobinwerten von 6
auf 15g/dl innerhalb von sechs Monaten. Wenn niedrigere Dosen gegeben werden
müssen sind diese wesentlich effektiver wenn sie in aufgeteilten
Infusionen dafür aber öfter verabreicht werden. Wenn Sie ihr
praktischer Arzt auffordert 50 Penizillintabletten alle zwei Wochen zu
schlucken, würden Sie seine Gründe hinterfragen'. (*Anmerkung
für den deutschen Leser: Penizillin als Antibiotika und Ceredase als Enzym
sind nicht unbedingt vergleichbar)
Dr. Mistry sagte: 'Die Logik mit
der Enzymbehandlung ist ähnlich. Wenn die Enzymtherapie in dieser Weise
verabreicht wird ist dort viel Freiraum um die Behandlung zu individualisieren
in Bezug auf Dosierung und Häufigkeit'.
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Quelle:
Gauchers News June 1997
© Copyright Gauchers Association 1997